3. Januar 2018

Im Winter mit Low Budget nach Island



Meine Lieben! Ich hoffe, ihr hattet einen guten Rutsch ins neue Jahr! Wusstet ihr, dass das Rutsch früher auch für Reise benutzt wurde? Damals wünschte man sich vor jeder Reise und auch an Silvester einen guten Rutsch.

Apropos Reise!
Vor kurzem habe ich euch von Hanife berichtet: KLICK
Sie hat ein paar Monate in Kanada verbracht und bekam Anfang Dezember die Gelegenheit einen Stopover in Island einzulegen.


Hanife, hier noch in Kanada

Wie ist es ihr ohne Auto, ohne Hotel und mit wenig Geld im winterlichen Island ergangen? Ich habe sie gefragt:


Alle Bilder von Hanife Örki

Nach der langen Zeit in Kanada warst du jetzt kurz in Island. Wieviele Tage waren es genau?

Ich war 8 Tage auf Island. Ich habe dem 7 Nächte Stopover also vollständig genutzt.

Was war dein erster Eindruck von Island?

Den ersten Eindruck hatte ich gleich vom Flugzeug aus. Es war zwar dunkel, da 6:00 Uhr morgens, aber ich konnte durch den Vollmond den Atlantik an der Küste schimmern sehen. Nach der Landung wehte mir einen angenehm frischer Wind entgegen. Ich fühlte mich sofort wohl.

Und was dein letzter?

Mein letzter Eindruck war ebenfalls morgens früh als ich mit dem Bus zurück zum Flughafen gefahren bin. Ruhig. Freundlich. Aber trotzdem verhalten würde ich sagen.

Wo hast du übernachtet?

Ich habe bei Leuten zu Hause übernachtet, über Couchsurfing. Die erste Nacht war ich bei einem indischen Arzt in Reykjavik, der seit einem Jahr in Island lebt, die letzten sechs Nächte habe ich bei einem netten Isländer in Kópavogur verbracht.

Hast du eher Isländer oder eher Touristen kennengelernt? Wie waren sie so drauf (beide)?


Für mich gibt es irgendwie einen Unterschied zwischen “normalen”Touristen (diese, welche einfach ein Hotel und Touren über Veranstalter buchen und so weiter) und Reisenden. Ich bin vielen Reisenden begegnet, die von überall aus der Welt kommen und in Hostels schlafen oder Couchsurfing machen. Außerdem habe ich einige Isländer getroffen, Vor allem in den Pools, und auch Menschen die aus anderen Ländern (meist Schweden, Norwegen, Dänemark) kommen und vorübergehend in Island arbeiten.
Touristen begegnet man natürlich auch zwangsläufig wenn man die Umgebung erkundet und z.B. den Golden Circle macht. Wirklich kennen gelernt habe ich diese aber nicht. Alle Reisenden waren sehr offen, was meistens so ist und sehr unterschiedlich; Ich habe Amerikaner, Kanadier, Kolumbianer, Deutsche etc. kennen gelernt. Die Isländer an sich fand ich meist erst zurückhaltend aber doch freundlich wenn auch auf kurz angebunden. In den Hot Tubs war das aber ganz anders, dort waren sie sehr, sehr redselig. Allgemein würde ich sagen, dass ich nach einer Woche nicht wirklich einschätzen kann, wie die Isländer wirklich drauf sind, sie aber sehr spannend finde.

Du hast zwischendurch mal gefragt, wo man in Reykjavik abends gut weggehen kann. Bist du fündig geworden?

Leider nicht, da ich kein großer Alkohol Trinker bin. Ich hatte ein paar Veranstaltungen gefunden, unter anderem, wo es Livemusik geben sollte, als wir jedoch da waren fand dies nicht statt. Auch ein anderes Event viel aus, weil der Laden geschlossen war. So saßen wir im Dubliners herum, wo sehr viel Bier getrunken und Fußball geschaut wurde. Für mich nicht unbedingt das Highlight meines Urlaubes. Aber darum ging es mir auch nicht. Ich hätte einfach gerne etwas lokale Künstler gehört. Da ich aber nicht übers Wochenende abends unterwegs war, ist das glaube ich auch schwieriger.

Hast du Mitfahrgelegenheiten für Ausflüge gefunden?

Ja, sogar dreimal und jedes Mal wollten die Fahrer kein Geld für die Fahrt. Ich habe zweimal den Gorden Circle gemacht (mit verschiedenen Leuten. Das erste mal direkt nach meiner Ankunft in Island bei Sonnenschein und ohne Schnee, war aber eher ein “aussteigen und Fotos machen”, das zweite dann Mal richtig bei Schnee und Eis mit Wandern durch den Píngvellir Nationalpark und wir haben noch einen Wasserfall (Seljalandsfoss) drangehängt. Außerdem bin ich mit dem Fahrrad meines Gastgebers herum gefahren und am Elliðaárdalur gewandert und war einmal beim Hot River Reykjadalur, wo wir jedoch einen Schneesturm geraten sind, sodass wir dort nicht baden konnten.


Und was hast du alles anschauen können? Hat es dir gefallen?


Wie gesagt Geysire, heiße Quellen, das Meer, Trails und einmal ein bisschen die Stadt, die Harpa und so.
Alles war wundervoll, die Stadt reizt mich jetzt nicht aber sie ist auch angenehm und es ist toll die Berge und das Meer immer in Blickweite zu haben. Ich bin doch sehr naturverbunden.

Was hat dir in Island am besten gefallen?


Diese ursprüngliche Natur, das Grün des Mooses. Das Schwimmen in den normalen Schwimmbädern, da diese unter freiem Himmel sind. Das kurze Baden im Atlantik (Nauthólsvík). Und und und..

Was hat dich in Island enttäuscht?


Nichts, da ich nichts erwartet habe. Gerne hätte ich auch dort Nordlichter gesehen und Wale aber was soll man in einer Woche bei Low Budget erwarten. Es gab Nordlichter, die hab ich aber verpasst, da ich im Dubliners war.

Ich möchte unbedingt im Sommer noch einmal wieder kommen. Um mehr zu wandern. Und draußen zu schlafen.


Was war dein lustigstes Erlebnis?

Mit einem Amerikaner im Schneesturm stehen. Ich habe die Macht der Natur genossen. Er holte sein I Pad raus und dreht manisch schreiend eine Art Aktionfilm für seine Freunde, als ob wir gleich sterben würden. Lustig. Und traurig. Zugleich.




Hast du Insidertipps?


Unbedingt in ein Schwimmbad weiter draußen gehen, das ist nicht touristisch und man hat seine Ruhe. Wer möchte kann dort locals kenne lernen. Ich war in Kópavogur mehrmals schwimmen.

Und mit dem Rad die Umgebung erkunden ist super, es gibt gute Radwege. Einkaufen: bónus Supermarkt ist günstig, ich habe meist Reis, Hülsenfrüchte und gefrorenes Gemüse gekocht, das ist nicht teurer als bei uns. Und es gibt tolle vegane Reis-Nussmilch, die sogar günstiger ist als hier.


Wie war das Wetter Anfang Dezember?

Ich fand es super. Es lag zwischen 5 Grad bei meiner Ankunft und -5 bei der Abfahrt. Sonne, Wolken, Schnee, Wind, alles dabei.

Kann man bei diesem Wetter gut Ausflüge machen? Was sollte man dabei beachten?

Ja kann man. Kann man immer. Es kommt aber darauf an, was man gewohnt ist. Gute Handschuhe, Schal und Mütze sind Pflicht. Manchmal hätte ich mir eine gute Windjacke gewünscht. Und Spikes an den Schuhen wären fabelhaft gewesen, da es sehr glatt werden kann. Und versucht nicht, im Schneesturm draußen zu pinkeln...

Wann ging die Sonne auf und wann wieder unter? (Erste Dezemberwoche)

Um 11 bis 15:30Uhr. Aber hell genug ist es ab 10 bis halb fünf.



Was für Unterschiede gibt es zwischen Yukon und Island?


Ganz andere Menschen. Die Kanadier sind super offen und man kann nirgendwo, wo Menschen sind, allein sein ohne im ein Gespräch verwickelt zu werden. In Island hast du deine Ruhe, wenn du das denn willst.

Dann ist der Yukon natürlich kälter aber dafür auch trockener. Im

Yukon ist alles etwas simpler, nicht so modern, größer. Die Natur ist ganz anders. Viel Wald. Hohe Berge. Trotzdem hat mich die hügelige, moosige Landschaft Islands in ihrer Ursprünglichkeit mehr angesprochen. Und ich mag es, dass es alles so überschaubar ist. Weit und überschaubar zugleich. Und alle baden so gerne wie ich 🙂

Möchtest du abschließend noch etwas sagen?


Island ist traumhaft. Aber man muss auch Wind und Kälte mögen.

Na dann bist du nun auch vom Island-Virus angesteckt worden :) Vielen, vielen Dank für die Beantwortung der Fragen! Es ist sehr spannend zu erfahren, wie Reisende Island empfinden und was sie erleben.

Die Bilder hat alle Hanife während ihres Aufenthaltes in Island gemacht. Wer möchte, hier ist der Link zu ihrem Blog: https://reiseroutenwordpresscom.wordpress.com/

Eure Tatjana<3



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