31. Oktober 2017

Island und seine Schafe + Schafabtrieb-Kalender + Läden für Island-Pullover


Jeder, der mal in Island war, hat sie gesehen. Die Schafe. Und meist drei Schafe beieinander. Egal wo und sei es im tiefsten Hochland: nach der nächsten Kurve stehen da wieder drei Schafe. 
Wisst ihr, warum das oft drei Schafe sind? Das will ich euch heute unter anderem verraten.

Schafabtrieb

Auf der Insel gibt es mehr Schafe als Einwohner. Genauer: 1,5 Schafe pro Mensch. Im Sommer sogar 3x mehr!
Warum jetzt im Sommer 3x und sonst nur 1,5? 
Des Rätsels Lösung:
Im September und Anfang Oktober werden alle Schafe ins bewohnte Gebiet zurückgetrieben und vorallem viele Lämmer geschlachtet. Für Schaffleisch bekommen die Bauern nämlich fast nichts, im Gegensatz zu Lammfleisch. Nur die Schafe überwintern, die für die Zucht benötigt werden.
Wenn ihr wissen wollt, wann der Abtrieb wo stattfinden, dann schaut auf diese Seite: KLICK.
Für 2018 wird der Kalender irgendwo auf der Seite www.bbl.is erscheinen, allerdings erst ab Mitte oder Ende August.

forystufé - die Schafe mit dem Glöckchen

Isländische Schafe ergreifen vor den meisten Menschen die Flucht wie Wildtiere. Das haben wir gut beobachten können, als wir in Island waren. Sie haben nur wenig Kontakt zu ihnen und wenn, dann nur zu ganz bestimmten Personen. 

Ein besonderes Verhalten zeigen die Schafe, die auf Isländisch "forystufé" (sprich: foristüfie) heißen und eine eigene Zuchtlinie innerhalb der Islandschafe bilden. Oft sind sie zutraulicher zu Menschen. Manche haben ein Glöckchen am Horn. Sie sind wesentlich intelligenter, lernen schneller und können Bedrohungen vorausahnen.

Zum Beispiel sind viele von ihnen wetterfühlig. Schon lange vorher erkennen sie, wenn ein schlimmer Sturm aufzieht und sind dann in der Lage, die Herde sicher wieder nach Hause zu führen. So haben sie in früheren Zeiten, als die Schafe noch den ganzen Winter über in Begleitung eines Hirten abseits des Hofs weideten, um Heu zu sparen, oft der Herde und dem Hirten das Leben gerettet.

Zurück zum Glöckchen. Dieses benutzen sie, um zb ihre Herde zusammenzurufen. Haben sie es einmal verloren, gehen sie oft zum Menschen und versuchen diesem dies zu mitzuteilen. Sie lassen nicht locker, bis sie eine neue Glocke haben.

Handgestrickte Pullover

Sehr beliebt sind ja die Islandpullover. Sogar ich kam nicht drum herum und habe mir in Island einen gekauft. Mir war es wichtig, dass er aus der Wolle der Islandschafe gemacht wurde und auf der Insel produziert. Zuerst fand ich in Selfoss einen Wollladen. Dort wurde aber nur Wolle und keine fertigen Pullover verkauft. Die nette Verkäuferin erklärte uns den Weg und so fanden wir einen kleinen süßen Laden, in dem acht Frauen aus der Umgebung selbstgestrickte Sachen verkaufen. Die Pullover dort sind sogar ein kleines bischen günstiger als die in den großen Geschäften und werden aus Lopi-Wolle gestrickt. Es ist keine Werbung, ich bin einfach davon überzeugt, dass es wichtig ist, dass die Pullover nicht im Ausland produziert werden.

Adressen:

Wollladen:
Hannyrdabúdin
Eyravegur 23
800 Selfoss

Strickladen:
Handverksskúrinn Selfossi
Eyravegur 3
800 Selfoss


Warum sind die Pullover etwas kratzig?

Ja, ich weiß, sie sind nicht kratzig und man gewöhnt sich dran. Aber ein bischen sind sie es doch. Schafe haben eine robuste Aussenwollschicht, das Deckhaar, welche sie vor Wind und Regen schützt und eine weiche Innenwollschicht, die Unterwolle, die sie warm hält. Früher hat man von der weichen Wolle Kleidung angefertig, die man an der Haut trug und von der robusten Aussenwolle Mäntel.

Doch die heutigen Maschinen können diese zwei Fellarten nicht auseinanderhalten, so dass alles mit dabei ist. Auch das kratzigere Deckhaar. Noch dazu wird diese "industrielle" Wolle vor der Verarbeitung gehackt und starkt entfettet. Wer selbst spinnt, kann die Wollarten jedoch trennen wie früher und flauschweiche Kleidung herstellen. Auch Lammwolle ist weicher. Man bekommt sie aber nur an wenigen Stellen fertig gesponnen, zum Beispiel hier:

Þingborg (8 km östlich von Selfoss in Südisland)
www.thingborg.net

Hella
uppspuni.is

Wenn ihr übrigens lernen möchtet, wie man Wolle spinnt, dann kann ich euch meine Schwester Alexandra Sprenger empfehlen. Sie gibt Kurse im Spinnen (in Bobingen bei Augsburg). Schreibt mich einfach an (oder einen Kommentar unter dem Beitrag), dann gebe ich euch die Kontaktdaten von ihr.

Dafür könnt ihr echte isländische Rohwolle (sogenannte Vliese) verwenden. Diese gibt es über das Islandwollprojekt von Caroline Kerstin Mende. Sie hat sich zum Ziel gesetzt, dass die isländischen Bauern gut bezahlt werden sollen, auch für nichtweiße Wolle.

Warum immer drei Schafe?

Aber nun zu der anfangs gestellten Frage: warum sieht man meist drei Schafe?
Im Frühjahr ist die Lammzeit, also zwischen Ende April und Anfang Juni. Viele Auen bringen drei Lämmer zur Welt, haben aber nur zwei Zitzen. Das dritte Lamm bekommt nur wenig Milch und wird einer Aue untergestellt, welche nur ein Lamm hat. Das klappt meistens und so laufen dann drei Schafe herum. 

Im Hochland Richtung Landmannalaugar.

Zwischen Vík und Jökulsárlón.

Vor unserem Ferienhaus bei Hella. 

Buchtipp

Ihr wollt noch mehr über die Schafe Islands erfahren? Dann kann ich euch wärmstens das Büchlein "Das Islandschaf - eierlegende Wollmilchsau" von Caroline Kerstin Mende empfehlen. Es gibt noch einen Nachfolger, in dem es ausschließlich um die intelligenten Anführerschafe (forystufé) geht, das habe ich aber selber noch nicht gelesen. Vielleicht wünsche ich es mir zu Weihnachten ;) Man kann die Bücher beim Verlag Alpha Umi bestellen.

Vielen Dank an Caroline für die vielen Informationen! Bald wird es ein Interview mit ihr geben.

Eure Tatjana <3

Landmannalaugar

Im Hochland Richtung Landmannalaugar.
Beim schwarzen Strand von Vík.

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